
Die Spanische Fliege wird in Sexshops und im Internet als Aphrodisiakum, also als ein Mittel, das zu sexueller Lust führt, verkauft. Immer wieder hört man, dass jemand, den man kennt, jemanden kennt, der wieder jemanden kennt, der die Spanische Fliege ausprobiert hätte. Die Beschreibungen sind unterschiedlich, aber immer sehr beeindruckend. Was steckt nun wirklich dahinter?
Die Spanische Fliege ist ein getrocknetes, pulverisiertes Insekt, das in Nordafrika und in Südspanien vorkommt. Diese Substanz soll in purer Form tatsächlich zu einer Luststeigerung führen. Allerdings führt sie auch zu Vergiftungserscheinungen, die so massiv sind, dass die Spanische Fliege in purer Form nicht weitergegeben werden darf. Erhältlich ist die Spanische Fliege nur in einer homöopathischen Dosierung, etwa D6 – also zu einer Million verdünnt. In dieser Form ist von der Spanischen Fliege praktisch nichts mehr enthalten und eine Wirkung daher ausgeschlossen. In der Homöopathie wird die Spanische Fliege (cantaris) in einem anderen Zusammenhang (Harnwegsinfekte) eingesetzt und ist daher in der Apotheke viel billiger als im Sexshop oder im Internet erhältlich. Die erhoffte Wirkung als Aphrodisiakum ist aber ein billiger Verkaufsgag der Anbieter, der allerdings hohe Einnahmen beschert, weil es nicht wenige gibt, die sich diese Mittel kaufen.


Bettina Weidinger und Wolfgang Kostenwein vom Österreichischen Institut für
Sexualpädagogik sind Sexualpädagogen und ausgebildet in klinischer Sexologie. Sie gestalten jeweils vier Seiten in RedX und werden online bloggen. In Ausgabe
Nr. 1 geht es um Beziehungen. Schreibt an redaktion@redx.at, welche Themen ihr euch für die kommenden Ausgaben wünscht. Welches Barometer sollen wir als nächstes bringen?
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