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Para oder normal?

Noch nie wussten wir so viel von uns und von der Welt. Und noch nie haben wir so viel Schwachsinn geglaubt.

von Thomas AISTLEITNER

Wahrsagerin vor Kugel

Wir leben in einer magischen Welt. Klar: Was wir wissen, das wissen wir. Aber viel interessanter ist doch, was wir nicht wissen. Denn dann glauben wir. Hier geht es nicht um Religion, nicht um den Glauben unabhängig vom Wissen. Man kann an Gott glauben, auch wenn man niemals wissen wird, ob es einen Gott gibt. Weil es Dinge gibt, die man niemals wissen kann. Es kann nützlich und notwendig sein, dass man sich über das Wissen hinaus eine Kraft vorstellt, einen Grund für das alles, was lebt, liegt, fließt und fliegt rund um uns herum und auch im Weltall und in unserer Milchstraße mit einem Durchmesser von 100.000 Lichtjahren oder mehr.
Hier soll es um eine andere Art von Glauben gehen. Hier geht es um Leute, die Dinge glauben, obwohl sie es besser wissen könnten. Glauben ist die andere Seite des Wissens, die dunkle Seite der Tatsachen.

Was soll man glauben?

Glauben ist gut, wenn man nichts weiß. Wenn du jeden Tag die Sonne aufgehen siehst, kannst du irgendwann glauben, das könnte so sein, weil die Sonne um die Erde kreist. Das ist eine wissenschaftliche Annahme, die so lange als Theorie gelten kann, als sie nicht widerlegt ist. Und tatsächlich hat man genau das lange, lange Zeit geglaubt. Bis man erkannt hat, dass es umgekehrt ist: Die Sonne ist das Zentrum, die Erde dreht sich um die Sonne. Aber auch das war nur geglaubt: Die Sonne ist nicht das Zentrum, sie kreist selbst um ein anderes Zentrum. Heute weiß man das. Vielleicht wird man es eines Tages noch besser wissen, aber es wird sich niemals herausstellen, dass die Erde nicht um die Sonne kreist und die Sonne nicht um das Milchstraßenzentrum.

Zu viel Glauben ist gefährlich

Ist es nicht egal, was die Leute so glauben? Psychologen sagen: Es ist nicht egal. Wer zu wenig weiß und zu viel glaubt, wer das Schicksal für stärker als die Persönlichkeit hält und wer überhaupt an das Schicksal glaubt, der wird schwach bleiben in seinem Leben, wird sich nichts zutrauen, wird weniger erreichen als andere – und sich am Ende in seinem Aberglauben bestätigt fühlen.
Wer sich aber informiert, wer überlegt, wel­che Erklärung die wahrscheinlichste und die plausibelste ist (und nicht die strangeste), der glaubt an sich und seine Fähigkeit, das eigene Leben zu gestalten – nach seinen Wünschen und nicht im Schatten eingebildeter Mächte. Diese Fähigkeit wünsche ich jedem Menschen!
Und doch gibt es eine Kraft, eine Macht, an die wir alle glauben können: wir selbst! Wir glauben an den Rat der besten Freundin und des besten Freundes, wir glauben an die Liebe, die uns jemand entgegenbringt, wir glauben an die Hilfsbereitschaft anderer, weil wir auch selbst helfen würden. Sicher, wir enttäuschen einander oft, wir tun einander weh, wir führen Kriege – aber im Großen und Ganzen können wir Menschen uns doch aufeinander verlassen.
Weil wir, seit es uns gibt, immer an uns geglaubt haben.

Mehr über para- und normale Kräfte erfährst du in RedX Nr. 5 ab Seite 6. Jetzt bestellen!