Der Peiniger

Dilemmageschichte

von Mike PATTBERG

Ich werde mich heute mal neben dich setzen. Dein Tischnachbar ist krank und der Platz neben dir also leer. Meine Anwesenheit wird dich nervös machen. Dazu hast du auch Grund, denn gestern bist du mir entwischt. Heute wird mir das nicht passieren. Ich bin schon spät dran, also beeile ich mich und setze mich hastig auf den ausgewählten Platz, genau neben dir.
Der Lehrer ist erstaunt und fragt mich wieso ich hier sitze.
„Hier vorne kann ich dem Unterricht besser folgen als dort hinten.“
Der soll mich jetzt nur nicht wieder nach hinten schicken. Er guckt nur und beginnt mit dem Unterricht.
Ich weiß dass du nichts sagen wirst, selbst wenn du es möchtest. Du hast einfach zu große Angst. Ein paar Mal hast du versucht mich bei den Lehrern anzuschwärzen, aber das war ganz am Anfang. Das ist mindestens schon ein halbes Jahr her und seit ein paar Monaten machst du das auch nicht mehr. Ich befasse mich ja in fast jeder Pause mit dir. Obwohl ich nicht immer Lust dazu habe, weiß ich trotzdem immer wo du bist. Ich habe gute Freunde.
Ich setze mein freundlichstes Gesicht auf, damit der Lehrer nicht merkt was ich von dir will.
„Wie geht’s, Jammerlappen?“
Man kann sehen wie du ganz steif wirst, den Blick geradeaus auf die Tafel gerichtet. Es steht doch noch nichts dran. Deine Augen werden feucht und du beginnst zu zittern.
Ich flüstere weiter mit dir.
„Hattest du gestern geglaubt, du könntest dich verdrücken? Einfach so?“
Mein Bus fährt immer erst fünfundvierzig Minuten nach Schulschluss, daher habe ich noch Zeit. Und vom Schulzentrum in die Stadt zu laufen ist langweilig.
Heute wirst du mir nicht entwischen, Kevin und Michael wissen schon Bescheid.
Du hast mich schon ein paar Mal gebeten dich in Ruhe zu lassen, hast mich gefragt warum ich das tue. Warum ich dich immer wieder verprügele oder demütige. Angeschrieen hast du mich: „Lass mich doch bitte in Ruhe!“ Das machen nur Jammerlappen.
Du hast schon lange nicht mehr gebettelt oder geschrieen.
Ich schaue dich von der Seite an. Du schließt kurz die Augen. Ich werde dich jetzt in Ruhe lassen um zu lernen. Der Lehrer ruft mich an die Tafel. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie du hastig aufstehst und den Klassenraum verlässt. Du wirst wohl wieder zur Toilette gehen, die ganze Pause dort sitzen und zur nächsten Stunde zu spät kommen.
Ich werde wieder neben dir sitzen in den nächsten zwei Stunden.
In der nächsten Pause gehst du nicht zum Klo, ich lasse dir nicht die Chance dazu. Ein kurzer Griff und ich habe deinen Hals in meinem rechten Arm eingeklemmt. Du wehrst dich kaum, also drehe ich dich auf den Boden, setze mich auf dich und stemme meine Knie auf deine Oberarme. So kannst du mich nicht erreichen. Deine Versuche mich abzuwerfen bringen nichts denn jedes Mal drücken meine Knie stärker auf deine Arme. Das schmerzt, ich weiß es. Du schließt die Augen als ich beginne, deine Backen mit meinen Handflächen leicht, so wie bei einer Ohrfeige, zu berühren. Mal stärker, mal schwächer, aber immer in einem ungleichmäßigen Rhythmus. Es patscht bei jeder Berührung.
„Wehr dich doch. Los, mach schon.“
Aber du kannst ja nicht. Kevin und Michael sitzen auf Stühlen daneben und sehen mir zu.
„Mensch, lass ihn doch endlich in Ruhe!“
Die zwei Schüler die hereinkommen gehen zu ihren Plätzen und beachten uns nicht weiter. Sie haben ihre Bemerkung nur im Vorbeigehen fallengelassen. Trotzdem  höre ich jetzt auf denn die Pause ist fast vorüber. Beim Aufstehen drehe ich noch mal mit Kraft meine Knie in deine Oberarme.
Die letzten zwei Stunden nehmen wir ein neues Thema durch und ich muss mich konzentrieren. Als es klingelt packe ich schnell meine Sachen zusammen. Endlich Schulschluss! Die Hausaufgaben sind nicht schwer, also werde ich schnell fertig sein. Ich warte in den Toiletteneingängen auf dich, um zu sehen auf welchem Weg du nach hause gehst.
Da kommst du ja und nimmst den Weg hinter der Schule her. Also über die Wiese mit dem hohen Gras. Ich folge dir, während Kevin und Michael anders herum um die Schule laufen.
Am Anfang der Wiese, die sich hinter der Schule befindet, bemerkst du mich und versuchst davon zu laufen. Du bist nicht schnell. Ich hole dich ein und mein erster Schlag trifft deinen Bauch.
Du stöhnst laut auf und fällst auf die Knie. Als ich dich loslasse rollst du dich über die Wiese und stöhnst immer weiter.
„Der markiert doch!“ ruft Kevin, der jetzt auch auf der Wiese ankommt.
Stimmt, du wälzt dich zu sehr herum.
„Verarsch mich nicht, Jammerlappen!“
Ich weiß wo deine Nieren sitzen und trete genau dort hin. Diesmal wird dein Schmerz echt sein. Deine Reaktion beweist es mir. Mein nächster Tritt trifft dich am Rücken. Michael greift deine Schultasche und dreht sie einfach um. Er schüttet den gesamten Inhalt neben dir auf die Wiese. Du hattest vergessen deine Federmappe zu schließen. Die leere Tasche wirft er im hohen Bogen hinter sich. Sie verschwindet im Gras.
„Komm, lass ihn in Ruhe, er hat genug.“ sagt Kevin.
Unser Bus fährt in zehn Minuten, genug Zeit ihn noch zu erreichen.
Wir verabreden uns für heute Nachmittag bei mir. Wir werden wohl Fußball spielen.