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Kayo – auf ein Wort

 

Der Rapper Kayo gehört zum Urgestein des österreichischen Hiphop. Im Interview gibt er Einblicke in die heimische Szene und verrät, was er beim Hiphop-Festival am strom präsentieren wird.

von Rainer Elsner

Kayo

RedXDer österreichische Hiphop ist erwachsen geworden und Hitparadentauglich – siehe "Kabinenparty". Du bist mit dem Track "I woa a amoi jung" erfolgreich – wie steht's denn um den Hiphop-Nachwuchs in Österreich?
Kayo: Ich habe schon das Gefühl, dass sich vor allem durch den Mundartrap-Boom viele neue junge Leute mit Rap identifizieren können und zu Rappen beginnen. Von einem Mainstream-Rap-Hype würde ich allerdings noch nicht sprechen – die Songs, die wirklich von den Massen gefeiert werden, sind ja tendenziell nach wie vor leichtverdauliche Party und Disco-Tracks. Skeros Album hätte etwa über die Single hinaus mehr Aufmerksamkeit verdient.
Um den Nachwuchs hierzulande mach ich mir schon lange keine Sorgen. Um die Boombokkz Records Leute kommt man nicht vorbei, aus Salzburg und Oberösterreich kommt immer wieder frisches Zeug, aktuell grad coole EPs von Die Au oder Mirac.

Gibt es Hiphop als Lebensentwurf und Lebensweise noch?
Sicher, wobei die Definition von HipHop natürlich extrem subjektiv ist. Aber diese Vielseitigkeit und Dynamik macht HipHop auch aus. Der Begriff Lebensentwurf ist jedoch vielleicht etwas hoch gegriffen, denn 95% aller Leute in unseren Breiten, die mit 18 sagen „HipHop ist mein Leben“, haben 15 Jahre später ganz andere Sorgen und Lebensentwürfe, was ja auch legitim und verständlich ist. Für meinen Teil ist es aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken, aber als meine Religion würde ich es nicht bezeichnen.

Ist der heimische Hiphop vom einbrechenden Musikmarkt besonders betroffen?
Nein, weil der heimische HipHop kaum einen Markt hatte. Die Gruppen aus Österreich, die im Laufe ihrer Karriere Einbrüche bemerkt haben, kann man wohl an einer Hand abzählen, allein aus dem Grund, weil es kaum Leute gibt, die mehr als zwei Alben heraußen, geschweige denn groß verkauft haben. Die nachrückenden Leute, die jetzt ihre 15 Minuten – oder auch mehr – Fame bekommen und auf YouTube und in den Medien gefeiert werden, werden aber schmerzlich zu spüren bekommen, dass mit CD-Verkäufen alleine nicht mehr viel zu holen ist.

Es scheint, als habe Hiphop den Mainstream erreicht – sogar HC Strache hatte einen "Rap" im Wahlkampf präsentiert. Seid ihr glücklich über diese Entwicklung?
Wenn Leute, die wirklich was drauf haben, von dieser Entwicklung profitieren können, freue ich mich immer. Natürlich muss man viel Scheiße ausblenden und das Bild, das die Medien in der Regel von HipHop zeichnen, ist natürlich katastrophal. Aber da muss man wohl durch, wenn man möchte, dass Artists, die viel Herzblut in ihr Ding stecken, auch mal größere Wellen schlagen. Wo es natürlich richtig absurd und unappetitlich wird ist, wenn die aus der afroamerikanischen Kultur kommende Rapmusik von Leuten mit rassistischen oder fremdenfeindlichen Einstellungen zweckentfremdet wird.

Zuletzt geisterte Moneyboy als Hiphop-Lachfigur durch die Facebook- und YouTube-Welt. Ärgert das euch als ernsthafte Artists? Ist das Thema Gangster-Rap noch aktuell oder seit Moneyboy endgültig desavouiert? Was ist das "next big thing"?
Moneyboy sieht sich ja auch als ernsthafter Artist, über ihn rege ich mich nicht auf. Aufregen tu ich mich aber über Leute, die seine Videos überall posten und darunter schreiben „Warum hat der bloß so einen Hype“? Ich mach mir da keine Illusionen: Die Öffentlichkeit und Medien schreien halt nach skurrilen Erscheinungen und Geschichten, die Musik ist eher nebensächlich. Zu Gangster-Rap: Mir ist das Genre egal, ich beurteile einen Rapper hauptsächlich nach Charisma und Skills. Wobei bei den meisten Straßenrappern derzeit zugegebenermaßen Phrasendrescherei und „Ich ficke deine Mutter“-Plattitüden vorherrschen. Ich weiß nicht, was „the next big thing“ ist, ich weiß nur, dass die Majorlabels wieder versuchen werden aufzuspringen, wenn es schon wieder fast zu spät ist. Ich wünsche mir allerdings, dass das Mundart-Ding noch weiter explodiert.

Was hast Du fürs Festival geplant?
Ich werde am strom zu ersten Mal mein lange gekündigtes Soloalbum im Gepäck haben und präsentieren. Der Zeitpunkt ist perfekt und ich glaub das warten hat sich gelohnt. Die Donau wird sich spontan aufstauen um meinem Konzert zu lauschen. Mein Dj Phekt und Backup Mcee werden ebenfalls am Start sein und es wird Bombe!