Drei Dollar kostet eine Anti-Personen-Mine. 30 Dollar kostet es, sie unschädlich zu machen. Doch zuerst muss sie gefunden werden.
von Robert Dempfer

Die meisten armen Länder verfügen weder über Sprengstoff-Fachleute noch über Minenräumer. Sondern nur über Hunderttausende Anti-Personen-Minen, verstreut über ganze Landstriche. Noch Jahre nach dem Ende von Kriegen liegen sie auf Feldern, Straßen, Wiesen und Weiden, sogar in Wohngebieten. Sie machen diese Orte zu den gefährlichsten der Welt.
Angola, Tadschikistan, Afghanistan, aber auch Bosnien und Kroatien … 87 Länder sind mit Anti-Personen-Minen verseucht. Niemand weiß mehr genau, wo die Soldaten im Krieg ihre Minen ausgelegt haben. Hin und wieder töten Minen ihre Opfer. Aber eigentlich sollen sie das gar nicht. Sie sollen verstümmeln und verletzen. Denn ein toter Soldat bleibt liegen. Um einen, dem eine Mine das Bein oder die Hände abgerissen hat, müssen sich mindestens vier weitere kümmern. Das schwächt den Gegner.
Kriegschirurg im Einsatz
2 Millionen Minen bleiben auch nach dem Ende bewaffneter Auseinandersetzungen liegen. Bis ein Bauer auf seinem Acker, eine Mutter beim Holzsuchen oder ihr Kind beim Wasserholen oder Spielen mit bloßen Füßen auf eine dieser Mini-Bomben tritt. Robin Coupland hat Hunderten von Minenopfern geholfen. Er war Kriegschirurg beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), und die Erinnerung an seine Einsätze jagt ihm noch heute kalte Schauer über den Rücken: Ein Funkspruch kündigt die Ankunft des nächsten Minenopfers im Feldspital des Roten Kreuzes an. Wieder eine blutige Masse aus menschlichem Fleisch und Knochen. Stundenlange Operationen, unzählige Blutkonserven, die Schmerzen des Opfers und seine Angst. Dann doch die Amputation eines Beines oder beider oder einer Hand.
Am Ende eines solchen Tages steht trotz aller Bemühungen ein verkrüppelter Mensch, der mit einer Prothese wieder gehen, essen oder schreiben lernen muss. Der seine Arbeit verliert, seinen Platz in der Gesellschaft, seine Selbstachtung. Unzähligen Minenopfern hat Robin Coupland wenigstens das Leben gerettet. Doch es war, sagt er, „jedes Mal grauenhaft“.
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Fünf Jahre – von 1991 bis 1995 – dauerte der Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien, das in Slowenien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Serbien und Mazedonien zerfiel. Mit Ausnahme von Slowenien sind alle Länder mit Minen verseucht, am schwersten das Urlaubsland Kroatien und Bosnien-Herzegowina. Noch 15 Jahre nach Kriegsende fordern Anti-Personen-Minen in Ex-Jugoslawien jedes Jahr fast 100 Opfer.


Jedes Opfer ist eines zu viel. Deshalb müssen alle Minen, die noch irgendwo verborgen liegen, vernichtet werden. Vor allem die armen Länder brauchen dabei Hilfe. Das Rote Kreuz hat viel dafür getan: Der Entwurf für den berühmten Vertrag von Ottawa wurde von Fachleuten des Österreichischen Roten Kreuzes verfasst.
Robert Dempfer