Be American

Zuwanderer haben es schwer in Hollywood. Doch es gibt Ausnahmen.

von Katja Lau

Be American

Als Ausländer steht man erst einmal vor der Wahl: Bleibt man seiner Herkunft treu, so wird man von den Casting-Agenten in eine bestimmte Schublade gesteckt – als Deutscher oder Österreicher bedeutet das, dass man viele Nazirollen angeboten bekommt oder im besten Fall mal einen bösen russischen Spion spielen darf. Das weiß keiner besser als der deutsche Schauspieler Thomas Kretschmann („Blade II“, „Resident Evil: Apocalypse“, „Wanted“). Zwar machte er sich in Hollywood einen Namen und bekommt regelmäßig Rollen in großen Produktionen, aber dafür spielte er in den letzten zehn Jahren gleich achtmal (!) einen Nazi und zweimal einen bösen Russen.

Latinos werden gerne als Drogendealer eingesetzt oder als exotische Stripper und
Lover. Engländer hingegen werden in Hollywood schnell in Korsetts gezwängt. So wurde Keira Knightley hier zwar zum Star, ihre größten Rollen spielte sie allerdings in sogenannten Kostümfilmen - wie „Der Fluch der Karibik“, „The Dutchess“ und „King Arthur“.

Die großen Hauptrollen gehen an Amerikaner – oder an solche, die wie Amerikaner aussehen und sprechen. Hollywoods neuester Superstar Sam Worthington („Terminator“, „Avatar“, „Kampf der Titanen“) ist zum Beispiel Australier und nicht Amerikaner. Allerdings spielt er Amerikaner und spricht mit echtem amerikanischem Akzent. Sogar in Interviews bemüht er sich, nicht zu australisch zu wirken. Das Gleiche gilt für die junge Australierin Mia Wasikowska, die gerade als „Alice im Wunderland“ zum Star wurde.

„Amerikaner möchten sich nicht nur mit den Filmhelden, sondern auch mit den Schauspielern identifizieren“, erklärt Filmkritiker George Trebden, „sie wollen nicht hören, dass diese von einem anderen Kontinent sind und ganz anders aufgewachsen sind als sie selbst.“

Als das junge Model Charlize Theron von Südafrika nach Hollywood zog, fand sie schnell einen Agenten. Der besorgte der Ausländerin sofort eine Rolle als „amerikanisches Mädchen von nebenan“. Der Plan ging auf. Charlize wurde an der Seite von Keanu Reeves in dem Film „Im Auftrag des Teufels“ zum Star. Mittlerweile hat Charlize Theron sogar einen Oscar gewonnen und an der Seite jedes großen Hollywood-Stars gespielt.

In Ausnahmefällen betont die Herkunft eines Stars allerdings das Image. So ist Penélope Cruz in Hollywood als heißblütige Spanierin etabliert. Ihr starker Akzent gilt als erotisch und wird erwartet. Und so muss die Schauspielerin jetzt sogar in Interviews vertuschen, dass sie mittlerweile eigentlich fließend Englisch spricht.

Kennst du vielleicht Demetria Guynes oder Robert Zimmermann? Nein? Aber Demi Moore und Bob Dylan sagen dir bestimmt etwas. Einen Artikel über die (wahren) Namen der Stars findest du in der dritten Ausgabe von RedX auf Seite 31. Jetzt bestellen!