Mit selbst geschriebenen Texten gegen andere antreten. Fünf Minuten lang. Vor Publikum. Das ist Poetry-Slam.

Backsteinmauern, großformatige Bilder, schummrige Beleuchtung – und bummvoll. So sieht Freitagabend im Nuyorican Poets Café aus. In dem Lokal an der Lower Eastside fand vor 20 Jahren der erste Poetry-Slam in New York statt, und noch heute ist der Friday Night Slam beliebt.
Voll ist es auch in im rhiz, wenn der textstrom über die Bühne geht: einer der regelmäßigen Slams, die in Wien veranstaltet werden.
Poetry-Slam ist ein Wettbewerb
Die Kernregeln gelten hier wie dort: Die Slammer treten vor Livepublikum auf und gegeneinander an. Die Texte müssen selbst verfasst sein, ein Zeitlimit muss eingehalten werden und Requisiten oder Kostüme sind tabu. Ein Master of Ceremony (MC) moderiert, eine Publikumsjury bewertet die Texte und am Ende wird ein Sieger gekürt. Ein Poetry-Slam ist ein Wettbewerb – aber einer, der Spaß macht. Eine „Party mit Worten“, meint Slammerin Yasmin Hafedh.
Verliebt in Friedrich Schiller
Mit ihren 19 Jahren ist Yasmin schon ein alter Hase in der Slam-Szene. „Angefangen hat alles mit Friedrich Schiller“, erzählt sie. Mit 13 entdeckt sie den 1805 gestorbenen Dichter und verschlingt alle Bücher von ihm. „Ich hab mich dann in Schiller verliebt, weil der Typ ja so cool war.“ Yasmin beginnt selber zu schreiben: ein Theaterstück, Gedichte. Dann entdeckt sie den Slam und nimmt mit 16 zum ersten Mal selber teil. Schiller findet sie immer noch gut: „Wenn er heute schreiben würde, würde er auch slammen.“
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Ein Slam-Text von Yasmin.
„Du wachst auf und weißt, heute – heute ist es so weit. Heute ist ein guter Tag, weil die Sonne scheint und du nichts zu tun hast und abends weggehst und dir denkst: Ich wusste doch, heut ist DER Tag. Der Tag, auf den du so lange gewartet hast, der Tag an dem du endlich ... Und endlich ist es so weit und du freust dich und wusstest, dass es heute passieren wird, und du bist so überwälti gt von den Gefühlen – endlich fühlst du wieder! Du bist glücklich, aufgeregt, nervös, naiv, dein Herz pocht, du kannst nicht aufhören zu grinsen. Es ist so weit, du musst nicht länger warten und wie ein Gespenst durch dein Leben wandern, nein, endlich lebst du wieder, du fühlst dich wieder, du fühlst, wie du stolperst und fällst, weil du nicht mehr aufrecht gehen kannst, du lachst wieder laut, du atmest wieder und du fühlst dich wie neu geboren und es macht dich glücklich. Du willst eine Weltreise machen, willst alle Menschen auf dieser Welt gleichzeitig umarmen oder alle auf ein Bier einladen – oder sonst was. Du willst es rausschreien – ICH BIN WIEDER DA.“
Yasmin Hafedh slammt, rappt und schreibt gerade ihren ersten Roman. Dieser Text ist ein Auszug aus ihrem Slam-Text „Es sind alles nur Phasen“.
www.myspace.com/ruhe_war
