Die meistgefälschte Pille der Welt gibt’s im Internet. Was sich dort als Viagra ausgibt, ist oft ein tödliches Gebräu.
von Robert DEMPFER

Ivan spinnt. Seit Jahren verstopft Spam, in dem diese rautenförmige blaue Pille
angepriesen wird, den Posteingang uneres WG-Servers: das „blaue Wunder“, Viagra. Jetzt will er wissen, wie es wirkt. Das Problem: Viagra bekommt man nicht einfach in der Apotheke um die Ecke. Jedenfalls nicht ohne Rezept vom Arzt. Aber wozu gibt es Online-Apotheken?
Das Problem, sagt Ivan, lautet: Eine Online-Apotheke finden, die Original-Viagra
verkauft. Das ist Detektivarbeit, denn der Web-Auftritt sagt wenig aus. Die „Canadian Pharmacy“ sieht absolut vertrauenswürdig aus. Doch dahinter steckt ein berüchtigtes Spamhaus. Online-Apotheken, die mit Spam werben, scheiden sowieso aus. Bei allen anderen ist man auf Indizien angewiesen. Dann eine Adresse in den Niederlanden. Dort wird alles verkauft, was illegal und teuer ist: Beruhigungsmittel, Schmerzmittel, Stimmungsaufheller – und die Potenzpille. Kosten pro Stück: 15 Euro.
Wie bezahlen?
Nächstes Problem: Wie bezahlen? „Was ist, wenn jemand deine Kreditkartennummer aus dem Netz fischt und auf deine Kosten einkauft?“, frage ich Ivan. Aber daran hat er schon gedacht: „Ich hab eine Electronic-Prepaid-Karte“, sagt er. „Mit der kann man nur über einen vorher eingezahlten Betrag verfügen.“ Auch ein Datendieb kann nicht mehr aus ihr herausquetschen. Die Electronic-Prepaid-Karte bestellt man sich ganz einfach über das Internet. Ivan hat seine schon mit 100 Euro geladen.
Wie es mit der Viagra-Internetbestellung weiterging, erfahrt ihr in der zweiten Ausgabe von RedX ab Seite 42. Jetzt bestellen!