Zwei Hollywood-Teenager auf der Suche nach Starfotos: 24 Stunden am Tag.
von Katja LAU

Es ist 22 Uhr an einem Dienstagabend in Hollywood. Der 15-jährige Austin spielt ein Videospiel, sein bester Freund Blaine döst neben ihm auf der Couch. Plötzlich klingelt ein Handy. Schon beim zweiten Läuten ist Blaine hellwach. „Hello?“, fragt er knapp. Dann nickt er und ruft Austin zu: „Es ist Lindsay. Auf dem Robertson Boulevard!“
Wie ein eingespieltes Team springen die beiden auf und greifen sich ihre Nikon-Kameras. Sekunden später rasen sie auf ihren Skateboards durch die dunklen Straßen von Hollywood in Richtung Robertson Boulevard. Schon von Weitem sieht man eine Menschentraube und das Blitzlichtgewitter. Blaine und Austin drängen sich durch die Menge zu einem geparkten Auto. Dort prügeln sich etwa zwei Dutzend Fotografen, bis die Luxuskarosse mit lautem Gehupe davonrast.
„Ich habe einen Superschuss bekommen!“, tönt Austin. „Lindsay Lohan hat mir genau in die Linse geschaut!“
Trotz ihres Alters sind Blaine und Austin schon richtige Veteranen. Ihre ersten Starfotos machten sie mit 12. Was als Spaß begann, wurde schnell zum harten Geschäft. Ob Paris Hilton, Leonardo DiCaprio, Jessica Simpson oder JLo, kaum einen Star haben die beiden nicht fotografiert. Ihre eigene Firma „Pintsize Paparazzi“ verkauft die Fotos an Agenturen und Klatschmagazine. „Es sind viele, viele tausend Dollar im Jahr“, sagt Blaine. Dass die beiden gut verdienen, sieht man an ihren Markenjeans, den iPhones, dem Flatscreen-TV im Kinderzimmer und natürlich an den professionellen Kameras. „Meine Ausrüstung ist knapp 30.000 Dollar wert“, erklärt Austin lässig.
Zur Schule gehen Austin und Blaine seit einem Jahr nicht mehr. Sie werden von ihren Eltern und einem Hilfslehrer zu Hause unterrichtet. Zwar versuchen die beiden, so gut es geht, zu lernen, aber das Geschäft geht vor. Wenn das Telefon klingelt, werden die Bücher zugeklappt und sogar der Lehrer wird sitzen gelassen ...
Den gesamten Artikel findet ihr in der ersten Ausgabe von RedX auf den Seiten 36-37. Jetzt kostenlos bestellen!


Als Austin mir bei unserem ersten Treffen die Tür öffnete, dachte ich erst, dass er wohl der kleine Bruder ist. Doch der Junge, der eher wie 12 als wie 15 aussah, stellte sich mir als Austin vor. Der soll ein Paparazzo sein? Als mir Austin und Blaine dann ihre Bilder und ihre Ausrüstung zeigten, vergaß ich fast, dass es sich hier um junge Teenager handelt. Die beiden kommen professionell rüber, wirken hochintelligent und fast erwachsen. Dann wieder streiten sie wie verwöhnte kleine Kinder um die Fernbedienung, Kaugummis oder wer heute auf welchem Skateboard fährt. Bei dem Gedanken, dass sie Tag und Nacht allein auf den Straßen von Hollywood unterwegs sind, bekomme ich eine Gänsehaut. Ich drücke ihnen die Daumen, dass sie den Absprung aus diesem dreckigen Geschäft schaffen und einen besseren Weg für ihr Talent finden!
Katja Lau